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Wohnheim San Gennaro Unical

Trautes Heim, Glück allein. Dort oben drin ist meine neue Stube. Um dem schnatterkalt-einsamen Wohnheim zu entflüchten, bin ich vor einer Woche in eine WG außerhalb der Universität gezogen. Deswegen auch der lange Blogbreak. Meine Mitbewohner sind Giuseppe und Stefano, die ihr schon aus der Folge „Unternehmen Versuchskaninchen startet“ kennt. Das Appartement gehört der Tante von Guiseppe und ist etwa 25 Minuten zu Fuß von der Uni entfernt.

An den Gesprächsthemen zwischen uns hat sich insofern also nichts groß geändert. Dafür hat die Wohnung eine Waschmaschine, eine Heizung, abschließbare Schränke sowie Balkon, Garten und jede Menge Italiener, bei denen man abends rumkommen kann oder die auch von alleine mit der Flasche Wein in der Tür stehen. Nur freitags Punkt 11 Uhr muss alles tiptop in Schuss sein, denn dann kommt Tantchen und prüft, ob ihre Wohnung noch heile ist. Zum Glück bin ich zu der Zeit immer in der Vorlesung.

In der Biblioteca F.E. Fagiani an der Uni Kalabrien

Meine neue Zweitwohnung überdies ist die Humanistische Bibliothek zu Kalabrien, ihres Zeichens größte in Süditalien. Die Einrichtung trägt den Namen „F.E. Fagiani“ in ihrer Bezeichnung. Wofür F und E stehen, weiß ich leider nicht, und auch überhaupt scheint die Person nicht allzu berühmt zu sein. Fagiani übersetzt heißt denn auch nur „Fasane“, und geht so inhaltlich auch über den humanistischen Tellerrand hinaus.

Allerdings gibt es da auch noch ganz andere Sachen. Weil die Website der Bibliothek so farbenfroh gestaltet ist, macht das Suchen nach Büchern besonders viel Spaß. Ich hab ja nichts gegen farbige Vielfalt, aber für einen Rot-Grün-Blinden hebt sich da nichts hervor. Irgendwie wollte ich doch noch zu einem Buch gelangen.

Als ich dann ein paar davon gefunden habe, beschert mir die Literaturrecherche diese Woche immerhin noch meinen ersten italienischen Flirt *schmacht*. Nun ja, also…man kann das sicher noch ausbauen, aber in so weit war das doch schon mal ganz gut, oder?
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Erster Akt. Bibliothek.
Dunkelblonde Italienerin mit schlimmen Rastazöpfen und einer Brille Marke LKW-Windschutzscheibe. Eifrig tippend mit ihrem Laptop beschäftigt.

EEEEEH scusami! Potresti dammi una mano, una domanda. Verzeihung, könntest du mir helfen, eine Frage.

Si, dimmi. Wo brennt’s denn?

Eeeeh…non trovo io l’ingresso di cuffie, ma sai tu, dove ci sono? Ich kann den Kopfhörereingang hier nicht finden. Weißt du vielleicht, wo ich das hier reinstecken muss? (*macht große LKW-Augen)

(*sprachlos. An einem noch dümmeren Spruch müsste man wohl lange überlegen.)

(*sie wartet, inzwischen mit Augen eines 12-Tonners)

Ich reiße mich zusammen.

Di solito c’è avanti te. O no, al lato, a sinistra. Vedi tu! Also meistens ist das direkt vor dir. Ach nein, warte, es ist links an der Seite, siehst du schon.

GRAAAAAAAAAAAZZZZZZZZZZZZZZZZIEEEEEEEEE :-* :-* :-*…

Non è il tuo? Ist nicht dein Laptop? (Auf die mütterliche, und eine Alibisteilvorlage für sie, will ja nett sein)

Si. Eeeeh no…eeeh no, è nuovo! Ja, äääh nein…äh nein, ist ein neuer! (*Schüttgut-Grinsen)

Als sie die Dinger dann drin hat, geht sie voll ab zu ihrer Musik und macht die urmerkwürdigsten Geräusche dazu. Das hört erst wieder auf, als sich zwei andere Studenten zu uns setzen und sie die Show nicht mehr weitermachen will. Ich glaub, ich muss mir unbedingt einen anderen Platz suchen. Noch ist es warm in Kalabrien, und auf dem Dach ist bestimmt immer was frei.

Die Damen und Herren hier spielen die traditionelle Musik Kalabriens. Anlässlich eines internationalen Abends, der von indonesischen Studenten organisiert wurde und wo viele Kulturen um die Wette tanzten, waren sie der Höhepunkt eines sehr gelungenen Programms. Auf dem selben Nutzerkanal ist noch ein anderes Video. Ort der Veranstaltung war das Teatro Auditorium, und nur das Licht war ein bisschen dünn.

Dafür war aber sogar der indonesische Botschafter eingerückt. Er erwähnte, dass Indonesien und Italien doch sehr viel gemein hätten und er, seit zwei Wochen hier, generell alles wunderbar fände. Da er Englisch redete, dürfte ihn keiner verstanden haben. Die Gemeinsamkeiten muss er mir aber noch erklären.

Wenn man das alles so gesehen hat, könnte man direkt sehnsüchtig nach der eigenen Gitarre werden. Mein Mitbewohner Guiseppe verspricht mir schon seit etlichen Wochenenden, dass er mir seine von zu Hause mitbringt, aber noch warte ich darauf.

Bis dahin, viele Grüße aus dem gelben neuen Haus,

euer Thilo

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