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Kalabrische Spezialität von Vincenzo

Guten Appetit allerseits!

Da ich mir auch bisher unausgesprochene Kritik immer sehr zu Herzen nehme, trage ich heute in einem reinen Essensblog kulinarische Highlights nach, die mir in Kalabrien bisher so untergekommen sind. An Wort, Bild und Ton über die Mampferei hat es zugegebenermaßen bisher arg fehlen lassen. Aber so sei es jetzt angerichtet.

Dieser edle Nudelteller ist von meinem Nachbarn und Halbmitbewohner Vincenzo von unter uns dahergezaubert worden. Halbmitbewohner, weil er im selben Haus wohnt, aber sein Stockwerk keine Verbindung zu unserem besitzt. Wie viele andere Köche von hier betont auch Vincenzo, dass seine Köstlichkeiten keine italienischen, sondern kalabrische Meisterwerke sind. Auf die eigenen Zutaten und Rezepte können die Bewohner des südlichsten Festlandzipfels Italiens zu Recht stolz sein, wie ich finde. Auf dem Heimweg klettert man hier oft noch schnell auf den nächsten Baum, um später ein Kiefernnadelaroma im Fleisch anschmecken zu lassen.

Damit ich beim Kochen nicht nur dumm danebenstehe und in die Pfanne glotze, reiße ich die verschiedensten Gesprächsthemen an. Gegen Vincenzo gewinne ich sogar eine Wette, als es um die zwei (gemeinsam) erfolgreichsten italienischen Filmstars aller Zeiten geht. Der eine war nun mal definitiv kein Amerikaner, und sein kongenialer Kollege ist wirklich für einige Zeit in Deutschland aufgewachsen. Allerdings weiß ich aber, dass nicht jede internationale Größe bei ihrem eigenen Volk auf langzeitig aufrechterhaltene Faszination prallt.

6-Punkte-System in der Mensa Economia der Uni Kalabrien

Beispielsweise spielt Borussia Dortmund einen ansehnlichen Fußball, und die Jungs mit ihrem Trainer sind auch ganz okay. Warum sämtliche Kassierer und Barkeeper der Mensa aber immer diesen Verein herausposaunen, wenn ich ihnen meine Tassera (Studentenausweis mit Name und Herkunftsland) vorzeige, hab ich lange Zeit nicht gecheckt. Jetzt weiß ich es. (Jemand nicht? Ok…) 😉

Oben seht ihr derweil ein typisches Mensamenü, das nach dem 6-Punkte-System zusammengestellt wurde. Um dieses auf Anhieb richtig zu befolgen, muss man sich beim ersten Mal mindestens zwei andere heimische Studenten als Beratung mitbringen. Das Hauptgericht macht zum Bleistift einen Punkt aus, die Beilage zwei. Ein Apfel respektive zweier Birnen oder auch drei Mandarinen sind 1 Punkt – jedoch nicht, wenn man was mischt.

Frische Pizza kann man auch kriegen, feilwohl dann ohne Beilage. Es sei denn, man greift als Getränk statt Bier oder Cola zu Wasser. Eine Süßigkeit ist ggf. auch noch drin, bis zu drei Brötchen gibt es gratis. An Donnerstagen ohne Regen kann man noch Trinkbecher und Besteck obendrauf packen. Allerdings ist irgendwann auch das Tablett viel zu voll. An sich ist fast alles in zippelige Plastetüten eingeschweißt, sodass man sich wie in einem Flugzeug vorkommt.

Eierkuchen essen mit ganz Indonesien ;-)

Eine Weltpremiere feierte letztes Wochenende auch die Küche meines neuen Hauses (dessen Adresse ich immer noch nicht weiß). Nicht lumpen lassen habe ich mich und die indonesische Fraktion zum typisch deutschen Eierkuchenspeisen eingeladen. Das ist zwar eher etwas Französisches, allerdings weiche ich generell immer so weit vom Rezept ab, dass es am Ende doch als deutsches Ding verkauft werden kann.

Wenn ihr jetzt denkt, die drei sind schüchtern hereingekommen, haben sich hingesetzt und maximal alle halbe Stunde gefragt, ob sie dieses oder jenes dürften, so sollt ihr euch noch nie so geirrt haben. „Das ist mein neues Heim, tretet unbesorgt herein und setzt eu…“

*WUSCH!* *WUSCH!* *WUSCH!* Alle Indonesierinnen rein in die Stube geflitzt und dann wurden erst mal sämtliche Küchenschranktüren geöffnet, Tiefkühlfach und Kühlschrank auf Fülle und Bestand geprüft sowie der Rest des Hauses inspiziert. Dank einer Aufnahme in Zeitlupe ist dann noch ein Foto von uns entstanden 😉

Im Old Wild West in Quattromiglia

Anlässlich des Geburtstages meines Mitbewohners Stefano sind wir letzte Woche ganz unverhohlen und vor allem unitalienisch im „Old Wild West“ ausgegangen. Ein berüchtigter Schuppen, im Stile eines Westernlokals. Trübes Licht und gestrige Gestalten. Man muss dort gewaltig aufpassen. Allerdings nicht, dass John Wayne gleich noch um die Ecke schießt, sondern dass man nicht platzt.

Die Speisekarte kennt hier nur eines: Fleisch, Fleisch, Fleisch. Fleischsalate, Fleischwraps, riesige Spare Ribs mit Pommes Frites, Hamburger oder auch Steaks aller Art sind in Minutenschnelle auf dem Tisch. An manchen Kalorienbomben hätten wir wohl besser zu zweit oder zu dritt schaffen müssen. Am Ende musste dann ein Verdauungsschnaps her. Das Bier gab es schon davor gereicht, allerdings, liebe Gesundheitsapostel zu Hause und anderswo, kommen wir wirklich so schnell nicht wieder hierher, denn unser aller Stipendien sind zu begrenzt, um monatlich die Rechnung dafür zu begleichen 😀

Das Geburtstagskind Stefano sitzt rechts, neben ihm Donatella aus Haus 3, auf der anderen Seite Monica aus Haus 1 und der Mann, dessen Finger das an sich hervorragende Foto wieder zunichtemachen, ist mein zweiter Mitbewohner Guiseppe. Es sei ihm sein Victory-Gefuchtel verziehen, hat er doch endlich sein Versprechen von neulich wahrgemacht.
Im Zuge dessen wird es schwierig, sich in bestimmten Sachen nun zu entscheiden…aber vielleicht zitiere ich „sie“ wieder aus meinem Bett heraus, wenn sie sich darin zu breit gemacht haben sollte.

Die Gitarre erreicht San Gennaro, Arcavacata, Kalabrien!

Viel Spaß beim Nachkochen aller dargestellten Dinge, Rezepte dafür gibt’s überall anderswo, nur nicht hier.

Viva la Musica,

euer Thilo!

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