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Lungomare in Diamante in Kalabrien

Salve! („Hallo“, wenn Buongiorno zu förmlich erscheint oder Ciao langweilig wird)

Kalabrien beanspruchte mich meiner Meinung nach in letzter Zeit außerordentlich, sodass ich am Samstag beschloss, mal Kalabrien und seine Gegend zu beanspruchen. Zwei Städte äußerst klangvollen Namens sollten entdeckt werden, die sich beide an der oberen Westküste der Region befinden.

Die Bummelpromenade auf dem Bild (“Lungomare“) befindet sich in Diamante. Dessen Bewohner wurden im 15. Jahrhundert von Fürst Carafa regiert, der von seinen Untergebenen (den Diamantenen eben) im Gegensatz zu anderen Herrschern keine Feudalabgaben einforderte. Seit dieser Zeit hat sich dort eine relativ liberale Grundgesinnung gebildet, mit der Stadt und Region in vielen Freiheitskämpfen danach verteidigt wurden. Der Lungomare ehrt die größten Verteidiger durch deren namentliche Benennung einzelner Promenadenabschnitte.

Ausflug zu den murales in Diamante in Kalabrien Diamante ist weiterhin für seine murales (“muro“ = Mauer) bekannt. 1981 haben Künstler begonnen, Bilder mit ihren Ideen, aber auch Wünschen an Häuser- und Kirchenwände zu malen. 1986 zogen einige Dichter nach und versahen ihrerseits die Malereien mit Gedichten und Lyrik. Seitdem kommen immer wieder neue Schöngeister in die Stadt, die sich von Neuem durch ganz Diamante färben und texten, was das Zeug hält. Denn ewig hält sich sowas ja nicht an der Wand, sei’s durch Regen, Wind oder den Hausherrn, wenn ein Pinselwütiger das Fenster in sein Gesamtwerk mit einbezogen hat.

Küstenorte in Kalabrien: Diamante am Meer Das da rechts musste übrigens sein 😀 Auf ein Foto mit plätschernden Wellen, formidablen Steinen und der Isola di Dino im Hintergrund konnte ich einfach nicht verzichten. Allerdings wollte ich weder zu den Dinos noch auf Grund der frischen Brise meine Jacke ausziehen, was sich im nächsten Städtchen dann noch ändern sollte. Laune und Dreifaltigkeit des Wetters sind in Kalabrien sehr bemerkenswert. Auf manchen Bergen noch Schnee, rundherum Palmen unter der Sonne und zu den Füßen das Meer.

Altstadt von Scalea in Kalabrien

Das zweite Städtchen Scalea, wer ahnt es schon, bedient sich in seinem Namen einer Treppe (“scala“). Die mittelalterliche Altstadt lehnt sich, wie man hier vom Strand aus sieht, an einen Hang und bietet dort Kirche, jede Menge Kastell und das Antiquarium. Dieses ist ein Museum, das antike Funde aus dem Paolä…aus dem Plaoä…aus dem Paläoli…, na jedenfalls von vor vierzig- bis sechzigtausend Jahren v. Chr. zeigt. Scalea ist eine der ältesten Städte Kalabriens und wurde von den Byzantinern auf den Ruinen einer römischen Siedlung erbaut. Geschichtsstudenten, die noch mit Herz bei ihrem Fach sind, hätten hier ihre pure Freude!

Ausflug nach Scalea in Kalabrien Den entgegengesetzten Blick von oben gibt es von der Piazza de Palma aus. Der Betrachter kann von hier aus ungestört das Grinsen des sonnigen Gemüts des Tyrrhenischen Meeres erwidern. Die Anzahl der Genitive in diesem Satz entspricht etwa der Anzahl, wie oft ich mich in den engen Gassen der Altstadt verlaufe.

Stadtführung endet bei Padre Pios Schon am Bahnhof nehme ich die falsche Route und komme am Ende des Rundgangs dort raus, wo man eigentlich laut Reiseführer normalerweise starten sollte. Als Erkennungszeichen hätte mich dort, auf der Piazza Saverio Ordine, ein Brunnen begrüßt. Über dem thront die Figur des heiligen und vielfach verehrten Padre Pios und scheint mir stattdessen zu sagen: “Tscha, so is‘ das, min Jong!“ Danke, Padre Pios, danke.

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Zum Sonnenuntergang und Abschluss des Tagestrips darf ich noch den an diesem Abend schönsten Strand der Welt begutachten. Selbst die untauglichste Kamera dürfte zu der Zeit und an diesem Ort hier traumhafte Bilder hinbekommen haben. Hinter mir befindet sich ein altes Kastell. Wie auch von den Kirchen gibt es davon allerdings reichlich, und so habe ich vergessen, ob es normannischen oder byzanthinischen Ursprungs ist. Ich werde Mini-Alex fragen. Minnie, was meinst du? 😉

Fahrkartenschalter in Italien (Kalabrien) Überdies, ein Ziel für den Massentourismus ist Kalabrien angeblich noch nicht. Als Grund bzw. als auch dessen Folge (ein tautologischer Streitpunkt) sind unter anderem die unregelmäßigen Zugfahrpläne zu nennen, die ein Losreisen 6 Uhr morgens bzw. nicht ausreichend Zeit in der Tagesmitte bedingen. Die Busverbindungen fangen dies etwas auf, wobei viele Busse am Wochenende jedoch gar nicht fahren. Eine Fahrkarte kann man stets im Zug kaufen – es wäre auch ärgerlich, wenn man sonst abends gegen halb acht sowas wie hier links lesen müsste.

Alle Orts- und Platzangaben dienen zur Nostalgie für schon Dagewesene und dem Auffinden für noch Reiselustige. Auf Wunsch hinterlasse ich gern eine Route, auf der man sich nicht von Pater Pios belehren lassen muss.

A prossimo (wenn Arrividerci zu förmlich ist UND man gerade keine Lust darauf hat),

il vostro Thilo

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